Hilfe, ein Babyvogel sitzt am Boden?!? Bitte NICHT immer sofort „retten“!!! Warum gibt es aktuell so viele geschwächte und auch tote Krähen in Alzey?

Ob das aktuell sehr gehäufte Vorkommen von hilflos wirkenden Krähen-Jungvögeln (Ästlingen) in Alzey auf eine besondere Ursache zurückzuführen ist, die auch verstärktes Eingreifen erforderlich macht, wird gerade an verschiedenen Stellen geprüft.  

Bitte verfolgen Sie hierzu die lokale Presse und weitere Informationen auf der Homepage www.NABU-Alzey.de.

Haben Sie nach dem Lesen unserer hier folgenden allgemeinen Information Zweifel, ob Hilfe bei einem Fund nötig ist, wenden Sie sich bitte bevor Sie aktiv werden zunächst an uns oder andere Ihnen bekannte Menschen, die sich mit Wildtieren auskennen.

Ist die Situation aber eindeutig gefährlich, werden Sie bitte auch sofort aktiv.

 

Frühling und Sommer bringen nicht nur Sonne und Vogelgezwitscher – sie sorgen auch jedes Jahr für besorgte Menschen, die plötzlich einen jungen Vogel am Boden entdecken. Besonders häufig sind das Krähen, Elstern, Amseln oder Spatzen. Der erste Gedanke ist oft: „Oh nein, der ist aus dem Nest gefallen – ich muss ihn retten!“ Aber in vielen Fällen braucht der Vogel gar keine Rettung. Viele Jungvögel sind sogenannte Ästlinge. Das bedeutet, sie haben schon Federn und haben das Nest verlassen, bevor sie perfekt fliegen können. Sie sitzen dann auf Ästen (daher die Bezeichnung "Ästling"), im Gebüsch – oder eben auch mal auf dem Boden. Das wirkt auf uns schnell hilflos, gehört aber zur normalen Entwicklung. Die Eltern sind meistens in der Nähe und versorgen ihren Nachwuchs weiterhin mit Futter. Gerade Kräheneltern sind dabei sehr aufmerksam und kümmern sich intensiv um ihre Jungtiere. Nur weil man die Eltern nicht sofort sieht, heißt das nicht, dass sie verschwunden sind. Oft warten sie schlicht darauf, dass Menschen endlich wieder verschwinden und Abstand halten. Gerade neugierige Kinder finden junge Vögel spannend. Leider passiert es immer wieder, dass Ästlinge hochgehoben, herumgetragen, gescheucht oder sogar wie ein „Spieltier“ behandelt werden. Hier sind verantwortungsvolle Erwachsene gefragt. Bitte erklären Sie Kindern ruhig, aber deutlich, dass Wildtiere kein Spielzeug sind. Ein Jungvogel braucht Ruhe und seine Eltern – keine menschliche Unterhaltung. Kinder sollten lernen, Tiere aus respektvoller Entfernung zu beobachten und die Natur in Frieden zu lassen. Das ist übrigens eine wunderbare Gelegenheit, früh Verantwortungsbewusstsein und Respekt vor Lebewesen zu vermitteln. Ein Eingreifen ist nur dann sinnvoll, wenn der Vogel verletzt wirkt, er auf einer Straße sitzt, Katzen oder Hunde unmittelbare Gefahr darstellen, Fliegenmaden sichtbar sind,
nach längerer Beobachtung aus sicherer Entfernung keine Vogeleltern erscheinen oder es sich um einen unbefiederten Nestling handelt. Falls akute Gefahr besteht, er aber gesund wirkt, kann man den Vogel vorsichtig ein paar Meter in ein Gebüsch oder an einen geschützten Ort setzen. Die Eltern finden ihn meist problemlos wieder. Denn manchmal bedeutet Tierliebe eben auch, Wildtiere einfach wild sein zu lassen. Nicht jeder Vogel am Boden ist hilfsbedürftig. Oft hilft man am meisten, indem man Abstand hält, beobachtet, ob die Vogeleltern sich kümmern, man Kinder und Haustiere fernhält und nur eingreift, wenn wirklich Gefahr besteht.

 

Warum sind überhaupt so viele Krähen in Alzey?

 

Viele Menschen wundern sich, warum gerade Krähen immer häufiger in Städten oder Dörfern auftauchen. Ein wichtiger Grund ist leider menschengemacht: Wir haben viele natürliche Lebensräume außerhalb von Städten stark verändert – durch intensive Landwirtschaft, Flächenversiegelung, Monokulturen und den Verlust naturnaher Landschaften, wie z.B. Alleenbäume an Feldwegen und buschige, landwirtschaftlich ungenutzte Rückzugsflächen.
Dadurch finden viele Arten in der Natur schlechtere Bedingungen als in Städten und Dörfern, die Krähen inzwischen oft bessere Überlebenschancen bieten. Es findet sich mit weggeworfenen Essensresten mehr Nahrung und es gibt mehr Bäume zum Brüten.
Dass Wildtiere zunehmend in menschliche Räume ausweichen, ist also oft ein Zeichen dafür, dass natürliche Lebensräume unter Druck geraten. Genau hier setzt Naturschutz an und genau deshalb engagiert sich der NABU so stark im Naturschutz.
Ziel ist es, natürliche Lebensräume zu erhalten und an vielen Stellen erstmal wieder herzustellen,

damit Wildtiere nicht immer weiter verdrängt werden.
Gesunde Wälder, Wiesen, Feuchtgebiete und naturnahe Landschaften helfen nicht nur Krähen – sondern unzähligen anderen Tierarten. Denn echter Tierschutz beginnt bei dem Schutz von Lebensräumen. Tatkräftige Unterstützer bei dieser Herausforderung sind bei beim NABU Alzey und Umgebung herzlich willkommen. Sie erreichen uns über:

NABU Regionalstelle Rheinhessen-Nahe, Langgasse 91 in 55234 Albig. Tel.: 06731 – 547566 oder

[email protected]